«Wir suchen eine Business-Intelligence-Lösung mit umfangreichen Self-Service-Funktionalitäten.» Solche und ähnliche Sätze fallen im Erstgespräch mit neuen Kunden häufig – und oft enden sie mit der Entscheidung für Microsoft Power BI.
Doch was genau der Begriff «Self-Service» eigentlich meint, warum nicht «alle alles dürfen» sollten und welche Self-Service-Level wir in unseren Projekten unterscheiden, möchten wir in diesem Beitrag erörtern.
Der Begriff «Self-Service» klingt eindeutig, ist es aber nicht:
Daher ist die erste und wichtigste Aufgabe für uns als Consultants zu erfragen, WAS GENAU der Kunde sich unter diesem Begriff vorstellt – bzw. gemeinsam zu erarbeiten, welches Level an Self-Service für die verschiedenen Nutzergruppen gewünscht und sinnvoll ist.
Denn die Variante «alle dürfen alles» führt in der Praxis schnell zu Chaos: Der Wildwuchs an Apps und Arbeitsblättern macht das System unübersichtlich. Widersprüchliche Kennzahlen mit unklaren Definitionen erzeugen Unsicherheit. Nicht optimierte Datenmodelle und ungefilterte Tabellen können die Performance mindern. Dazu kommen oft Sicherheits- & Compliance-Risiken.
Aufbauend auf unsere langjährige Projekterfahrung unterscheiden wir drei Self-Service-Level:
Vielen Stakeholdern genügt es, die benötigten Daten eigenständig auffinden und nutzen zu können – ganz einfach per Link. So müssen sie nicht mehr jeden Bericht per E-Mail anfragen bzw. auf dessen turnusmässige Zusendung warten.
Für diese Datenkonsumenten («Viewer») bietet Power BI zwei Optionen:
Das zweite Level beginnt dort, wo die Nutzer nicht nur Daten konsumieren, sondern vertiefende Fragen stellen und die Apps bzw. Berichte eigenständig anpassen: andere Dimension, anderer Zeitraum, anderer Drilldown, eine andere Sicht auf dieselbe Kennzahl.
Auf diesem Level wird Power BI wirklich interessant:
Das dritte Level umfasst die Erstellung eigener Auswertungen auf geprüfter Datenbasis – bspw. wenn ein Nutzer Kennzahlen oder Diagramme benötigt, die es nicht vorgefertigt gibt.
Das erfordert entsprechende Skills und Berechtigungen in Power BI:
Wer soll nur konsumieren? Wer soll Ursachen verstehen? Wer darf neue Auswertungen bauen? Die Rollenfrage entscheidet sich anhand der individuellen Anforderungen jedes Unternehmens, folgt aber häufig einem ähnlichen Schema:
| Rolle | Typisches Bedürfnis | Self-Service-Level |
| Geschäftsleitung / Executive | Verlässliche Zahl, wenig Interaktion, oft Slides oder fertige Sicht | Level 1 |
| Abteilungsleitung / Fachbereich | Kontext verstehen, Ursachen erklären, Fragen beantworten | Level 2 |
| Analyst / Power User | Lücken erkennen, neue Visuals bauen, Ursachen untersuchen | Level 3 |
Die Klärung der Rollenfrage legt dann auch die Grundlage für Lizenz-Entscheidungen.
«Self-Service ist nicht gleich Self-Service», sondern jeweils abhängig von Unternehmen und Stakeholdern, Tech-Affinität und Ressourcen.
Guter Self-Service gibt nicht allen Nutzern maximale Freiheit, sondern jeder Rolle das passende Mass an Freiheit.